[Interview] Filip Dochy über die Entstehung des HILL-Modells

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[Interview] Filip Dochy über die Entstehung des HILL-Modells

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[Interview] Filip Dochy über die Entstehung des HILL-Modells

Filip Dochy, Designer pädagogischer Lösungen und Experte für L&D in Unternehmensumgebungen, hat nachhaltiges Lernen zur Realität werden lassen. In diesem Interview berichtet er uns von den Anfängen des HILL-Modells und des Blended-Learning-Ansatzes.

Herr Dochy, wie ist das HILL-Modell entstanden?

Das Modell wurde von uns vor ein paar Jahren auf der Grundlage unserer 25-jährigen Forschungsarbeit zur Nachhaltigkeit von Lernstrategien in Unternehmen entwickelt. Mein wissenschaftlicher Mitarbeiter Mien Segers und ich fanden heraus, dass Schulungen nur mittelmäßige Wirkung zeigten. Die Lernenden behielten lediglich 5 bis 15 % der vermittelten Inhalte. Daher entschlossen wir uns, ein neues, wissenschaftlich fundiertes Lernmodell aufzustellen. Wir trugen sämtliche Studien zur Nachhaltigkeit von Lernstrategien zusammen, die wir weltweit finden konnten: in den USA Untersuchungen von Wieman und Freeman, in Europa die Studie von Schneider und Preckel aus dem Jahr 2017 mit mehr als 2 Millionen Lernenden. Dabei deckten wir nicht nur den Bereich Lern- und Erziehungswissenschaften ab, sondern auch Kognitionspsychologie und kontextspezifisches Lernen.

Diese Studien unterzogen wir einer systematischen Prüfung, um zu eruieren, welche Variablen und Faktoren sich auf die Lernqualität auswirkten und welche davon die Wirkung sogar steigern konnten. So ermittelten wir sieben Bausteine für nachhaltiges Lernen.

Neben wissenschaftlichen Abhandlungen betrachteten wir auch Lernpraktiken in Unternehmen. Wir fragten Lernende nach ihren allerbesten Lernerlebnissen. Wann und unter welchen Umständen hatten sie am meisten gelernt? Die Teilnehmer sollten Zeitangaben machen, konkrete Beispiele nennen und typische Merkmale schildern. Dabei zeigte sich, dass lernerische Highlights oft im Zusammenspiel mit anderen Menschen auftraten, u. a. beim Wissensaustausch unter Fachkollegen.

Wir kamen zu dem Ergebnis, dass dies die sieben Bausteine für nachhaltiges Lernen widerspiegelte.

Wie wurde das Projekt Realität?

Bei der wissenschaftlichen Untersuchung ergaben sich mehrere Möglichkeiten zur Umsetzung des Projekts. Um zu erfahren, wie diese sieben Grundelemente angewendet wurden, befragten wir zahlreiche Trainer und Lernende in Unternehmen. Auf dieser Grundlage konnten wir eine Reihe von Tipps zur Umsetzung erarbeiten. Diesen Tipps haben wir in unserem Buch „Creating Impact Through Future Learning“ ein ganzes Kapitel gewidmet: „The HILL model in practice: tips and guidelines“.

Wir analysierten die Wirkung jedes einzelnen Bausteins. Es stellte sich heraus, dass die Wirkung exponentiell stieg, wenn alle Faktoren in globalen digitalen Trainingsstrategien gebündelt wurden. Kurz gesagt: je mehr dieser Komponenten genutzt und eingebunden werden, desto größer die Wirkung.

Drei weitere Regeln gibt es hierbei zu beachten:

  • Die pädagogischen Ansätze müssen möglichst vielfältig sein.
  • Die Lerninhalte müssen an die Rolle und täglichen Aufgaben der Lernenden individuell angepasst werden.
  • Die Trainingsinhalte müssen ansprechend sein und sollten die Interaktion innerhalb des Teams fördern.

Inwiefern profitiert CrossKnowledge vom HILL-Modell?

Am Arbeitsplatz wird Lernstoff genauso vermittelt wie an der Schule: mit einer Methodik, bei der nur wenig hängen bleibt (5–15 %). Es ist jedoch durchaus möglich, bessere Lernmanagementsysteme zu gestalten. CrossKnowledge beweist dies mit großem Erfolg.

2003 waren Fernunterricht und Distanzlernen der letzte Schrei in Unternehmen. Man versprach sich wundersame Lernerfolge sowie Zeit- und Kosteneinsparungen bei der Mitarbeiterschulung. Zehn Jahre später hatten die Unternehmen eingesehen, dass E Learning nicht das erhoffte Ergebnis brachte. Dies lag in erster Linie daran, dass den Lernenden die nötige Motivation fehlte – sie waren zu „distanziert“. CrossKnowledge weiß, dass es darum geht, Lernende dauerhaft zu motivieren und zu begeistern. Die Antwort liegt in Blended-Learning-Inhalten, die die sieben Bausteine für nachhaltiges Lernen beherzigen.

Aus diesem Gedanken heraus entstand Blendedx mit seiner Fülle an Lernaktivitäten. Besonders gefällt mir am Blended-Learning-Ansatz, dass dabei Online-Training und Offline-Methoden (wie Präsenzschulungen) kombiniert werden. Das fördert die Interaktion und steigert die Lernmotivation.

Ebenfalls von großer Bedeutung sind die Steuerung der Gruppendynamik, die Zusammenarbeit, das regelmäßige Miteinander und der Austausch untereinander – und alles über eine einzige Plattform. Diese Faktoren fördern nicht nur die Lernmotivation, sondern sind auch bei der Umsetzung der sieben Grundelemente hilfreich. Last but not least: Der Inhalt muss abwechslungsreich und relevant sein. Die Lernenden müssen in der Lage sein, ihr neu erworbenes Wissen auf ihre berufliche Tätigkeit anzuwenden.

Abschließende Frage: Wie soll die Zukunft von L&D Ihrer Ansicht nach aussehen?

In meinen Augen wären Unternehmen gut beraten, wenn sie Blended-Learning-Trainings mit beschränkter Teilnehmerzahl abhielten. Außerdem sollte ein Schwerpunkt auf Möglichkeiten zur Interaktion und zum informellen Lernen liegen. Schulungen müssen am Arbeitsplatz größeren Stellenwert erhalten. Die Lernenden sollten das Gefühl haben, den Inhalt ihrer Trainingsprogramme steuern zu können.

Wenn Sie mehr über das HILL-Modell erfahren möchten, laden Sie unser E Book herunter. Darin finden Sie eine ausführlichere Beschreibung der sieben Bausteine.

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